Soziale Netzwerke und gesundheitliche Ungleichheiten

Soziale Unterschiede bzw. Ungleichheiten zwischen Menschen hängen eng mit Gesundheit zusammen. So weisen etwa Menschen mit niedrigerem sozioökonomischen Status über alle Altersstufen eine überproportionale Morbidität und Mortalität auf. Bestimmte körperliche wie seelische Erkrankungen sind zudem eng mit dem sozioökonomischen Status verknüpft. Auf diese und viele weitere Zusammenhänge machen Sozialepidemiologie und Gesundheitssoziologie empirisch fortwährend aufmerksam. Jedoch liegt eine umfassende und breit akzeptierte Erklärung der Ursachen dieser gesundheitlichen Ungleichheiten derzeit noch nicht vor, d.h. eine Antwort auf die Fragen nach den konkreten Faktoren und Mechanismen, über die sich soziale Ungleichheit in Gesundheit, Gesundheitsverhalten und gesundheitliche Unterschiede übersetzt.

In diesem Zusammenhang werden soziale Unterstützung und soziale Beziehungen im Rahmen soziologischer wie psychologischer Erklärungsansätze als relevant für die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten angesehen. Aber nur selten wird der Blick hierbei auf die Gesamtheit individueller Beziehungsgeflechte, ihre Strukturen und Wirkmechanismen gerichtet. Diese Perspektive der (sozialen) Netzwerkforschung hat in den letzten Jahren insbesondere in der angloamerikanischen Gesundheitsforschung an Popularität gewonnen, in Deutschland gibt es dazu bisher nur wenige Arbeiten.

In diesem wissenschaftlichen Netzwerk kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen (Soziologie, Psychologie, Public Health) mit unterschiedlichen theoretischen und methodischen (quantitativ, qualitativ) Ausrichtungen zusammen. Ziele des Netzwerks sind insbesondere, (1) die Netzwerkforschung in der deutschsprachigen Gesundheitsforschung bekannter zu machen und (2) die Netzwerkperspektive für die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten weiter zu entwickeln und besser nutzbar zu machen. Hauptergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine gemeinsame Buchpublikation, die den Forschungsstand aufbereitet, Forschungsdesiderate benennt und Perspektiven für die zukünftige Forschung aufzeigt.